Nachhaltigkeit - ganz praktisch!

Nachhaltig in Frankreich – Ein Reisebericht

22. Juli 2022

In diesem Sommer war ich einige Wochen an der nördlichen Küste Frankreichs unterwegs. Wenn mich eine Sache auf Reisen interessiert, dann diese: Wie sieht es in puncto Nachhaltigkeit in anderen Ländern aus?  In diesem Reisebericht nehme ich dich mit und erzähle dir von meinen Erfahrungen. Nachhaltig in Frankreich?

So habe ich es erlebt…

 

Meine Vorbereitungen

Nachhaltig in Frankreich unterwegs mit Koffer und Wetbag

Wie immer, wenn bei uns ein Urlaub ansteht, plane ich alles genau. Ich versuche zuerst, herauszufinden, welche Gegebenheiten uns vor Ort erwarten und stelle mich darauf ein. Ein effizientes Werkzeug ist meine immerwährende Einpackliste mit saisonaler Berücksichtigung (Winter/Sommer) und Fokus auf einen Selbstversorger-Urlaub im Ferienhaus.
Als wir beispielsweise noch mit Stoffwindeln reisten, war es mir sehr wichtig, eine Unterkunft mit Waschmaschine zu buchen. Dies ist auch später mit Kindern aus meiner Sicht sehr empfehlenswert. Wenn du mehr über Urlaub mit Stoffwindeln wissen möchtest, empfehle ich dir meinen Blogartikel.

Zum Zweiten schaue ich, wie ich unser Gepäck nachhaltig gestalten kann: Was nimmt a) wenig Platz weg und ist reisepraktikabel und b) zudem nachhaltig und müllarm/frei?

Im Bereich der Körperpflege greife ich gern auf feste Duschpflege, Shampoo & Co zurück. Für unsere Wäsche habe ich in diesem Urlaub zum ersten Mal Waschmittel-Blätter ausprobiert. Auch sie benötigen minimal Platz. Willst du Wäsche waschen, legst du ein Waschblatt – genannt „Leaves“- in die Waschtrommel, darüber kommt dann die Wäsche. Während des Waschvorgangs löst sich das Blatt vollständig auf und du erhältst später saubere Wäsche. Ich fand das persönlich sehr praktisch.

Für die Anreise und Ausflüge vor Ort nehme ich stets wiederverwendbare Trinkflaschen und Snackdosen mit. So kannst du auch im Urlaub auf den Kauf von kleinen Plastikflaschen oder Alufolie für Brote verzichten. Apropos Einkauf: Auch für den Urlaub plane ich Stoffbeutel oder Klappboxen ein. Während der Anreise kannst du sie für Gepäck nutzen und vor Ort dann für den Einkauf.

So viel zu meinen allgemeinen Urlaubsvorbereitungen in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Unsere Unterkunft

Unser Ferienhaus in Frankreich mit Ausblick vom Balkon aufs Meer

Wir wohnten in einer nostalgischen Villa in einem malerischen Küstenort direkt am Meer. Die Landschaft und Umgebung war einfach ein Traum und ich werde sicherlich noch einmal an diesem herrlichen Ort zurückkehren. Bei unserer Ankunft wurden wir von einem netten Franzosen begrüßt und er erklärte uns alle Begebenheiten.

Dazu gehörte auch die Mülltrennung. Anders als in Deutschland gibt es in dieser Region keinen Biomüll. Stattdessen wird getrennt nach Plastikmüll, Papier, Glas und Hausmüll. Hausmüll ist so eine Mischung aus Rest- und Biomüll. Dazu musste man den Müll im Haus getrennt nach Kategorie sammeln und dann zu einer zentralen Sammelstelle im Ort bringen. Während in Deutschland jeder Haushalt seine eigenen Mülltonnen hat, wird der Müll dort an einer Stelle gesammelt. Ich kann nicht sagen, ob das in Frankreich generell so ist – oder ob das nur in dieser Region/ diesem Ort so üblich ist.

Die nächste Sache, die mir auffiel: Die Kapsel-Kaffeemaschine ist deutlich mehr Normalität als in Deutschland. Persönlich kenne ich sehr wenig Leute, die ihren Kaffee mit Kapseln kochen. Meine Bialetti-Mokka-Kanne für sämtliche Reisen konnte ich direkt wieder einpacken, da sie nicht für den Induktionsherd im Ferienhaus geeignet war. Was also tun?

Einige Male haben wir sogenannten „Cowboy-Kaffee“ getrunken. Hierbei gibst du gemahlenes Kaffeepulver in eine Tasse und überbrühst dieses mit Wasser, ähnlich wie Tee. Das Kaffeepulver verbleibt beim Trinken in der Tasse, du rührst lediglich zu Beginn einmal um. Diesen – zugegebenermaßen sehr starken – Geschmack muss man mögen. Und so haben wir vor Ort Kapseln, ja ich gebe es zu, gekauft. Und da wiederum war ich überrascht: Während ich in deutschen Geschäften gar nicht so viele Kaffeekapseln gesehen hatte (vielleicht hab ich auch einfach nicht soooo sehr darauf geachtetet?), gab es davon in Frankreich in jedem Mini-Laden eine gute Auswahl. Viele waren angeblich sogar kompostierbar. Kann man daraus schließen, dass die Kapselmaschinen dort häufiger an der Tagesordnung sind als in Deutschland?

Persönlich denke ich, kann man in Bezug auf Kaffee sehr wohl nachhaltig in Frankreich unterwegs sein. Dass meine Bialetti auf dem Induktionsherd nicht funktionierte, war Pech. Zukünftig plane ich daher, 1. meinen Handfilter mitzunehmen – und 2. mich VOR der Abfahrt nach der Kaffeemaschine zu erkundigen. Das ist insgesamt recht spannend. Während in Dänemark häufig ganz normale Filterkaffeemaschinen in den Ferienhäusern zu finden sind, dominieren in den Niederlanden Kaffeepadmaschinen. In den USA gabs Kaffeemaschinen sogar im Badezimmer…so hat wohl jedes Land seine Eigenarten.

 

Nachhaltig in Frankreich auswärts Essen und Trinken

Nachhaltig in Frankreich? Mit Coffee to go nicht unbedingt ;-)

Natürlich waren wir auch einige Male in französischen Cafés und Restaurants. So viel kann ich dir schon vorab verraten: Nachhaltig in Frankreich ist durchaus auch im gastronomischen Bereich möglich! Meine ersten Cafébesuche waren nämlich so gar nicht nachhaltig.

Zuerst waren wir in einer Pizzeria in Wissant und dies war ein richtiges Restaurant, keine lapidare Imbissbude. Wir saßen draußen. Die anderen Gäste aßen ihre Pizza aus Pizzakartons, aber ich dachte mir: „Na, bestimmt haben die das so bestellt?!“ Doch auch wir bekamen unsere Pizzen schließlich in Kartons serviert, mit Holzbesteck und Getränken in Plastikbechern. Das Essen schmeckte lecker und kostete knapp 100 Euro…ich war irgendwie irritiert, ich weiß nicht. Bei dem Preis, dem Ambiente etc. hätte ich schon ein richtiges Geschirr erwartet. 

Einige Tage später besuchten wir ein Café in Boulogne und setzten uns schön hin, um einen Café au Lait zu trinken. Doch auch dieser wurde uns in Pappbechern serviert…danach war ich schon etwas verwundert. War es denn üblich, dass man in normalen Restaurants und Cafés das Essen in Einweggeschirr serviert bekommt? Gab es sowas wie Nachhaltigkeit in Frankreich im Restaurant? Galt dies nur für absolut hochpreisige Lokale? Oder war ich einfach immer in den „falschen“ Läden gelandet?

Ich überlegte, was wir tun könnten. Denn all dieses Einweggeschirr… kurz, ich fand es nicht gerade toll. Schließlich machten wir es so, dass wir erst einmal schauten, wie es auf den Tischen der bereits speisenden Gäste so aussah. Das erwies sich als super Taktik. Und so fanden wir klasse Cafés und Restaurants mit – für mich – normalem Geschirr! Kaffee aus eine Porzellantasse, das ist einfach ein ganz anderes „Feeling“ als aus einem Plastikbecher. Tartines, Galettes & Co von Keramiktellern mit richtigem Besteck, dazu Wein aus einem Glas…ich war happy! Das hätte ich ja nie gedacht, da ich genau das, wiederverwendbares Besteck und Geschirr im Café, für so normal hielt. Für Standard.

Nachhaltig in Frankreich einkaufen

Nachhaltig in Frankreich beim Einkauf auf dem Wochenmarkt

Eine Sache ließ mein grünes Herz jedoch höher schlagen: Nachhaltig in Frankreich einkaufen war ein absoluter Traum! In unserem Ort gab es nur einen winzigen Supermarkt. Es gab zwar alles, aber natürlich sehr begrenzt. Und dennoch gab es eine Unverpackt-Bar, an der man sich Haferflocken, Nüssen, Nudeln und vieles mehr individuell abfüllen konnte. Das hat mich sehr überrascht.

Zweimal pro Woche gab es einen fantastischen Wochenmarkt. Dieser Markt bot eine sehr umfangreiche Vielfalt an regionalen Lebensmitteln. Bunt gestapeltes Obst, Käse vom Biohof vor Ort, Berge an Saisongemüse, knusprige Brote und Baguettes….ich war im siebten Himmel. Und auch hier gab es einen Unverpackt-Marktstand. Das hat mich echt überrascht.  Aus Deutschland kannte ich bisher nur Unverpackt-Läden, aber einen Unverpackt-Marktstand? Auch dieser Stand hatte diese üblichen Behälter in Säulenform mit einem tollen Angebot.

Nachhaltig in Frankreich einkaufen? Herrlich! Theoretisch muss man in kein weiteres Geschäft mehr für seine Lebensmittel, wenn man zweimal pro Woche ausgestattet mit Einkaufsbeutel & Co auf so einen herrlichen Markt gehen kann. Die Sachen war regional, saisonal, unverpackt, oftmals bio  – und zu meiner Überraschung deutlich günstiger als in den größeren Supermärkten.

Apropos Supermarkt. Auch diese gibt es natürlich in Frankreich, Intermarchés oder auch Hypermarchés. Dabei handelt es sich um wirklich gigantische Geschäfte, in denen man so ziemlich alles bekommt. So kann man ohne Probleme neben Brot und Obst auch Gartenmöbel oder Fahrräder in Kombination mit Kleidung und Hobbyausrüstung kaufen. Doch auch hier habe ich immer eine Unverpackt-Abfüll-Theke gefunden. Dies scheint nach meiner Erfahrung in Frankreich – selbst in kleinen Orten und mini Geschäftchen – Standard zu sein. Andererseits ist dies auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, welchen Stellenwert Ernährung und genussvolles Essen in unserem Nachbarland hat.

Zu Besuch im Bio-Supermarkt in Boulogne

Nachhaltiges Einkaufen in Frankreich: Waschmittel unverpackt im Bio-Supermarkt

Als wir in Boulogne durch die Straßen liefen, entdeckte ich einen Bio-Supermarkt. Natürlich war ich sehr gespannt, was es dort im Angebot gab. Es gab viele Parallelen zu deutschen Bio-Supermärkten. Allerdings auch hier: Unverpackt-Abfüll-Theken. Diese waren an verschiedenen Stellen im Geschäft zu speziellen Themen verteilt. So gab es einen Unverpackt-Bereich speziell für Tierfutter, dazu einen für Nüsse, Haferflocken, aber auch einen für verschiedene Teesorten. Es handelte sich dabei nicht um einen reinen Unverpacktladen, nein, vielmehr floß dieses Konzept wie selbstverständlich in das normale Warenangebot mit ein. Gut gefallen hat mir auch die Unverpackt-Theke für Wasch- und Putzmittel. Hier konnte man sich gemäß eines Baukastensystems verschiedene Dinge abfüllen, direkt kombinieren und auch Duftöle bei Wunsch zufügen. Dies ist natürlich für Stoffwindeln eine tolle Sache!

Abgesehen davon war ich auch vom Pflegesortiment begeistert: Es gab ein vielfältiges Angebot an festen Seifen, Duschpflegen und Shampoos, zum Teil regional hergestellt. Dazu entdeckte ich nachhaltige Monatshygiene mit Stoffbinden, Slipeinlagen und Menstruationstassen. Waschbare Abschminkpads. Auch für den Less-Waste-Lifestyle allgemein gab es tolle Dinge wie Snackboxen, Trinkflaschen und vieles mehr. Für mich ein Paradies! Und so habe ich natürlich ein paar hübsche Dinge eingekauft 🙂

Umgang mit Müll in der Öffentlichkeit

Saubere Strände in Frankreich

Insgesamt war alles sehr sauber. Es gab überall Mülleimer an den Straßen. Auch der Strand war erstaunlich müllfrei, was ich eher selten bisher gesehen habe. Beim Spaziergang durch unseren Ort sah ich mehrere Plakate, die auf Müllsammel-Aktionen aufmerksam machten. Offensichtlich gibt es also auch in Frankreich, zumindest in unserem Urlaubsort, eine Gruppe von Freiwilligen, die sich für eine müllfreie Umgebung einsetzt und aktiv Schritte unternimmt. Das fand ich richtig klasse!

Auch auf der Strandpromenade gab es immer wieder Hinweise zum Umgang mit Müll, besonders mit Schwerpunkt auf Hundebesitzer. In Deutschland erlebe ich es oft, dass die Hinterlassenschaften entweder nicht entfernt oder aber die Hundekotbeutel gefüllt in der Landschaft liegen gelassen werden. Für beides gibt es in Frankreich Geldstrafen. Allerdings appellieren die Behörden nicht mit dem Argument der Geldstrafe, sondern führen andere, möglicherweise wirkungsvollere Gründe (Hygiene, auf die Gemeinschaft achten, Schönheit der Umgebung wahren, Rücksichtnahme, Verantwortungsgefühl etc.) an. Spielplätze für Kinder waren grundsätzlich umzäumt mit striktem Verbot für Hunde.

 

Nachhaltig in Frankreich? Na klar!

Ich am Meer

Nachdem ich einige Zeit in Frankreich verbracht und dort immer mal wieder auf Nachhaltigkeit im Alltag geachtet habe, kann ich sagen, dass natürlich auch bei unseren Nachbarn Umweltbewusstsein und Müllvermeidung ein großes Thema sind. Und natürlich ist auch klar: Ich war nur ein paar Wochen in einer ganz bestimmten Region in Frankreich unterwegs. In größeren Städten wie Paris sieht die Situation möglicherweise ganz anders aus. Wer länger in Frankreich lebt, sieht und bewertet die Situation durch mehr Erfahrung mit anderen Augen.

Trotzdem ist jede und jeder selbst in der Verantwortung! Es ist meine Entscheidung, wo und wie ich meine Lebensmittel einkaufe. Es ist meine ganz bewusste Wahl, welches Restaurant, welches Café ich besuche. Es liegt an mir, zu schauen, wo ich nachhaltige Artikel bekommen kann. Ich entscheide, was ich mit meinem Müll unterwegs mache, egal, ob ich nun in Frankreich oder woanders auf diesem Planeten unterwegs ist.  Denn: Wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg!

Ganz wichtig: Jeder kleine Schritt zählt dabei.
Ich halte es für nicht empfehlenswert, von Anfang an alles absolut 100% perfekt, 100% müll- und plastikfrei machen zu wollen. All das kann schnell zu Frust und somit zu Aufgeben führen. Und manchmal gibt es auch Situationen, wo du trotzdem auf Wegwerfartikel zugreifen willst oder musst. Einfach, weil es in dem Moment für dein Wohlbefinden, dein Stresslevel der bessere Weg ist. Ein gutes Beispiel dafür sind Wegwerfwindeln im Urlaub. Oder in meinem aktuellen Fall: Im Ferienhaus Kapselkaffee zu trinken, weil mir der Cowboykaffee einfach nicht schmeckte. Den ganzen Urlaub allein aus Nachhaltigkeit auf etwas Genuss verzichten? Das geht – mir – dann etwas zu weit.

Dazu ist es auch hilfreich, wenn du dir das große Ganze betrachtest und diese Dinge in Relation setzt. Im Urlaub habe ich insgesamt vielleicht zwanzig Kaffeekapseln verwendet, vielleicht benötigt dein Kind in einer Urlaubswoche eine Packung Wegwerfwindeln. Na und? Wenn das nur ab und an mal der Fall ist, ist das in meinen Augen völlig ok. Und ist nicht genau das menschlich? Wer bitte ist perfekt? Und Perfektionismus hat gerade im Urlaub (aber auch im normalen Alltag) schon mal so gar nichts suchen! Du nutzt Einwegartikel als Ausnahme, nicht als Standard. Bei wie vielen Menschen ist es genau andersherum?

In diesem Sinne wünsche ich dir eine erholsame Urlaubszeit!

Genieße sie in vollen Zügen und ohne schlechtes Gewissen. Kannst du stressfrei in den Ferien nachhaltig(er) leben? Super! Wenn nicht? Auch ok!

Alles Liebe,

P.S.: Im Mai  ist die erste Runde meines Onlinekurses „Der Stoffwindel-Kompass“ gestartet – alle TeilnehmerInnen haben mittlerweile bereits Erfolge für sich verbuchen können. Ist das nicht einfach toll?  Wenn du im Herbst 2022 dabei sein möchtest, dann kannst du dich unverbindlich hier auf die Warteliste setzen lassen. In diesem Kurs stelle ich dir ebenfalls einige Schwimmwindeln und Tricks für mehr Nachhaltigkeit im Alltag vor – ideal für zukünftige Urlaube mit deinem Kind!

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